Emetophobie, die Angst vorm…

Warum ich diesen Post schreibe? Weil ich mir Hilfe erhoffe…Ich habe letztens das Buch „Girl Online“ von Zoe Sugg (Zoella) gelesen, in dem es um ein Mädchen geht, das anonym über ihr Leben, aber auch ihre Ängste bloggt, um Menschen zu erreichen, die genauso fühlen wie sie. Inspiriert davon, versuche ich das Gleiche. Ich hoffe mit diesem Post Menschen zu erreichen, die genauso fühlen wie ich oder Menschen, die sich damit auskennen. Um welche Phobie es sich handelt und warum ich sie leid bin, könnt ihr hier lesen.

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Emetophobie, die Angst vorm Erbrechen. Was bedeutet das genau?

Bei der „Emetophobie“ handelt es sich um eine übermäßig ausgeprägte, irrationale Angst vor dem Erbrechen, die von Außenstehenden oft als „übertrieben“ erlebt wird. Sie äußert sich in:

 

  • Panik davor, sich selbst zu übergeben, unabhängig davon, ob alleine oder in der Anwesenheit anderer.
  • Panik davor, miterleben zu müssen wie andere Personen und/oder Tiere sich übergeben.
  • Panik vor/bei jeglicher Konfrontation mit dem Thema (z.B. durch Medien, Gespräche, Erbrochenes, eigene Gedanken).

 

Nicht alle drei Dimensionen müssen gleichermaßen vorliegen, um von Emetophobie zu sprechen.

Quelle: www.emetophobie.de

Schon seit meiner Kindheit leide ich unter dieser Phobie. Und sie wird immer schlimmer. Bei mir zeigt sich Emetophobie hauptsächlich als Angst, miterleben zu müssen, wie andere Menschen sich übergeben. Tiere sind allerdings überhaupt kein Problem. Wenn sich meine Katze übergeben hat, kann ich das problemlos aufwischen.

Mich selbst übergeben zu müssen ist bei mir kein großes Thema. Ich übergebe mich so gut wie garnicht. Innerhalb von 10 Jahren kam es vielleicht 3 mal vor. Wenn es vorkommt, schäme ich mich dafür. Völlig gleich, ob es jemand mitbekommt und auch wenn ich ja garnichts dazu kann.

Wo der Ursprung dieser Phobie bei mir liegt, weiß ich leider nicht.

Vielen denen ich davon erzähle, antworten meist mit: ich glaube das habe ich auch. Nein wahrscheinlich nicht. Klar, jeder ekelt sich vorm Erbrechen, was soll daran auch schön sein. Aber zwischen Ekel und Phobie liegt ein großer Unterschied. Meist fühle ich mich dann unverstanden oder es wird heruntergewertet.

Wenn ich mitbekomme, dass sich jemand übergeben muss, wird mir selbst nicht schlecht beziehungsweise muss mich nicht selbst übergeben. Viel mehr verfalle ich eine Panikattacke. Vergleichbar mit jemanden der unter Höhenangst leidet. Meine Beine werden ganz weich und zittrig, mein Herz beginnt zu rasen, ich werde bleich. Ich habe Panik. Ich muss weg. Oft kommen mir die Tränen. Manchmal gerate ich auch in einen total seltsamen Zustand. Dann werde ich übermütig und ein bisschen euphorisch. Rede sehr schnell.

Seit Jahren schränkt mich die Phobie im Alltag ein. Das ist es auch, was es immens von einem Ekel unterscheidet. Ein Beispiel: Ich habe mal gesehen, wie sich jemand auf einer Achterbahn übergeben hat. Ich bin jahrelang nicht mehr auf diese Achterbahn. Nicht weil ich Angst hatte, dass mir schlecht werden könnte, sondern, dass ich das gleiche nochmal mit ansehen müsste. Zudem gehe ich kaum noch in Clubs feiern, zu groß ist die Angst, dass es jemand mit dem Alkohol übertreibt. Ich versuche alles zu meiden, wo das Risiko höher ist.

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Ich stelle mir teilweise Szenen vor, wie mich jemand ankotzt oder sonstiges. Das bestärkt mich dann darin, solche Situationen zu meiden oder muss mich die ganze Zeit nach Menschen, denen schlecht sein könnte umschauen. Ich kann auch nicht sehen, wie sich Menschen in Filmen übergeben. Deshalb könnte ich zum Beispiel niemals „Der Exorzist“ schauen.

Jetzt bin ich natürlich Flugbegleiterin, nicht gerade die beste Berufswahl mit dieser Phobie. Aber mein Traumberuf. Lange wollte ich mich deshalb auch nicht bewerben. Es kommt auch garnicht allzu oft vor, dass sich jemand übergeben muss. Aber hin und wieder schon und das ist ein Albtraum für mich. Zum Glück habe ich viele Kollegen, denen das nichts ausmacht etwas Kaffee drüber zu streuen und Tücher zu reichen. Ich muss mich leider sofort der Situation entziehen. Aber es schränkt ein. Ich arbeite nicht gerne in der Economy Class, da sich dort die Leute potentiell eher übergeben könnten als z.B. in der Business Class. Ich habe Angst vor Turbulenzen, nicht weil ich diese als schlimm empfinde, überhaupt nicht, aber dass sich jemand übergeben könnte. Sobald jemand eine Spucktüte in die Hand nimmt, sei es nur um Müll zu entsorgen, beginnt mein Herz fester zu schlagen.

Letztens habe ich auf dem Flug etwas für mich ganz schlimmes erlebt. Das ist auch der Ausschlaggeber für diesen Post. Eine Frau war so betrunken, dürfte eigentlich nicht sein, dass sie sich auf ihrem Sitz von oben bis unten vollgekotzt hat. Ich hatte es nur gerochen, nicht gesehen, aber ich war fertig mit den Nerven. Sogar danach im Crewrest (Schlafraum) hatte ich Albträume von dieser Frau.

Es kann so nicht mehr weiter gehen. Ich habe manchmal Angst vor meiner Arbeit, die ich eigentlich liebe. Vor jedem Flug wünsche ich mir aus tiefstem Herzen, dass sich niemand übergeben muss.

Vielleicht macht ja jemand das Gleiche oder Ähnliches durch wie ich und hat eine Lösung für das Problem. Konfrontationstherapie geht in dem Fall schlecht, jedoch habe ich von Hypnosetherapie gelesen. Falls jemand Erfahrungen damit gemacht hat oder sonst Hilfe weiß, bitte bitte, lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt, diesen langen, ernsteren Post zu lesen. Es tat jedenfalls gut, meine Gedanken einmal nieder zuschreiben. Vielleicht versteht auch nun der ein oder andere, dass Emetophobie weit über den normalen Ekel hinaus geht.

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27 Gedanken zu “Emetophobie, die Angst vorm…

  1. Emily J. schreibt:

    Danke für den ehrlichen Post! Konkrete Tipps und Erfahrungen kann ich dir leider keine geben – ich weiß nur, dass es bei vielen Phobien hilft, sich ein festes Handlungsmuster zurecht zu legen, wie man in der Situation reagiert. Dann ist man weniger mit sich und der Panik alleine und grübelt darüber nach, was passieren könnte wenn….

    Hoffe, dass du gute Hilfe findest und deinen Beruf weiterhin genießen kannst!
    Alles Liebe

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  2. beautybysunn02 schreibt:

    Oh das war sehr interessant zu lesen. Tatsächlich habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Es ekelt mich zwar wenn jemand anderes sich übergeben hat, aber ich habe keine Panik / Phobie.
    Ich kann mir vorstellen, dass das in deinem Beruf gar nicht gut ist.
    Leider habe ich auch keine Tipps dazu.
    Ich hoffe du findest etwas was dir hilft.
    Liebe Grüße
    Sandra

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  3. Nadine von tantedine.de schreibt:

    Ich habe noch nie von dieser Phobie gehört, aber wie jede, finde ich sie Furchtbar. Ich glaube, dass ich nicht wirklich eine Phobie habe, aber ich habe Ängste. Darüber habe ich auch schon einen Post verfasst und lustigerweise passt es perfekt zu dir (Liebe Grüße Nadine von hier der Post). Ich hasse es zu Fliegen! Ich kann Fliegen nicht ausstehen! Trotzdem steige ich jedes Mal wieder in den Flieger, weil es manchamal nichr anders geht. Ich habe keine Höhenangst oder Angst vorm Abstürzen etc. Ich mag es einfach nicht, im Flugzeug eingeschlossen zu sein.

    Ich drücke dir die Daumen 🙂
    Liebe Grüße Nadine von tantedine.de

    Gefällt 1 Person

  4. FiosWelt schreibt:

    Ich wusste garnicht, dass es diese Phobie gibt. Leider kann ich dir auch keine wirklichen Tips geben, da ich darunter nicht leide. Vermutlich würde ich googeln was anderen geholfen hat, oder wirklich mal einen Termin beim Psychologen machen, wobei das aus meine Erfahrung nicht soo gut helfen wird.
    Das dich die Phobie bei deinem Job einschränkt ist natürlich mehr als blöd, weshalb ich auf jeden Fall etwas machen würde, damit du deinen Job schnellst möglich wieder genießen kannst 🙂

    Liebe Grüße,
    Fio

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  5. Diana schreibt:

    Danke für deine Ehrlichkeit. Von dieser Phobie habe ich bisher auch noch nichts gehört. Daher finde ich es gut, dass du deine Ängste mit uns teilst. Das klärt auf und hilft das Thema ernst zu nehmen, falls man mal in die Situation kommt und man jemanden mit der gleichen Krankheit begegnet. Hast du schon daran gedacht eine Therapie zu machen? Würde das vielleicht helfen mit deiner Angst umzugehen?

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    • makeupinflight schreibt:

      Ja das stimmt. 🙂 Ja darüber nachgedacht definitiv, ich weiß nur noch nicht, welche die richtige ist. Konfrontationstherapie kommt bei dieser Phobie ja leider nicht so gut. 😁 Liebe Grüße, Nina

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  6. Jasmin schreibt:

    Also ich habe diese Phobie nicht, aber ich finde es auch nicht gerade lecker, so etwas aufzuputzen. Ich habe mir aber noch nie wirklich darüber Gedanken gemacht, das mich jemand ankotzen könnte.
    Ich hoffe du kannst die Phobie irgendwann beseitigen.

    LG Jasmin

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  7. Madame Keke schreibt:

    Ich habe ehrlich gesagt zum ersten Mal von dieser Art von Phobie jetzt von dir gehört, kann aber absolut nachvollziehen wie sich das anfühlt. Ich selbst mag zum Beispiel keine zu vollen Orte mit zu vielen Menschen. Eine Phobie ist kein Kinderspiel, leider verstehen viele Menschen einen nicht, wenn sie nicht selbst in irgendeiner Weise betroffen sind.

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  8. peachblog schreibt:

    Krass! Ich wusste nicht, dass es diese Phobie gibt, aber wenn ich mir das so durchlese erkenne ich mich echt wieder 😱 ich bin auch so, dass wenn ich in ein Flugzeug oder die Bahn/Bus einsteige alle Leute in meiner unmittelbaren Nähe abchecke und wehe eine Person neben mir verhält sich auch nur annähernd so als könnte ihr schlecht sein 🙈 Dann ist es bei mir vorbei und ich überlege wie ich möglichst schnell ausweichen kö

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    • peachblog schreibt:

      Könnte 😅 mir sind diese Gedanken super unangenehm aber ich hatte leider schon so ein paar Situationen und kenne die Anzeichen für Übelkeit bei anderen 🙈 Panik davor mich selbst übergeben zu müssen habe ich auch. Zum Glück (toi, toi, toi) kann ich mich gar nicht mehr an das letzte mal erinnern.. vielleicht vor 10 Jahren? Wenn mir mal schlecht wird versuche ich es mit selbsthypnose und ruhigem Atmem. Damit habe ich das bisher immer in dem Griff bekommen. Aber das schlimme am übergeben ist für mich auch das Gefühl zu würgen bzw keine Luft zu bekommen 😖 das macht mir am aller meisten Panik!
      Interessant zu lesen dass ich damit nicht allein bin 🙂

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      • peachblog schreibt:

        Im Sinne von beruhigende Musik oder auch Hörbücher hören, die mich auf andere Gedanken bringen. Und es gibt auch so Hypnose-CDs vielleicht auch zu dem Thema, auf jeden Fall aber zu Panikattacken. Das ist dann aber eher präventiv 😊

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